Volkshochschule


Volkshochschule

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Vọlks|hoch|schu|le 〈f. 19; Abk.: VHSBildungsstätte für Erwachsene außerhalb der Berufsarbeit

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Vọlks|hoch|schu|le, die:
der Weiterbildung dienende Einrichtung bes. der Erwachsenenbildung (Abk.: VHS).

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Volkshochschule,
 
Abkürzung VHS, öffentliche Einrichtung der Erwachsenenbildung beziehungsweise Weiterbildung in unmittelbarer (Gemeinde, Stadt, Landkreis) oder mittelbarer (e. V., Zweckverband, GmbH) kommunaler Trägerschaft. Die öffentliche Verantwortung verpflichtet die Volkshochschule, offen für alle, überparteilich und überkonfessionell zu sein. Die Volkshochschulen arbeiten flächendeckend, teilnehmerorientiert, richten sich nach den Weiterbildungsinteressen beziehungsweise -bedürfnissen der Menschen und unterliegen deshalb nur begrenzt der Marktorientierung. Volkshochschulen bilden einen festen Bestandteil des öffentlichen Bildungswesens; sie bieten ein breites kulturelles Angebot, das traditionell abends (»Abendakademie«), heute auch ganztags stattfindet. Die Volkshochschule vermittelt auch abschlussbezogene Qualifikationen (v. a. Abschlüsse des Zweiten Bildungsweges, Prüfungen zur beruflichen Bildung, Volkshochschulzertifikate, gemeinsames Zertifikat Deutsch mit dem Goethe-Institut).
 
Stärkste Altersgruppe bei den Volkshochschulteilnehmern (rd. 74 % Frauen) sind die 25- bis 35-Jährigen. An den circa 1 000 deutschen Volkshochschulen und 340 Volkshochschulaußenstellen gibt es jährlich fast 7 Mio. Belegungen für längerfristige Veranstaltungen, v. a. Kurse, und rd. 2,5 Mio. für Vortragsreihen und Einzelveranstaltungen. Hinzu kommen rd. 1,4 Mio. Besuche von Ausstellungen und mehr als 400 000 Teilnahmen an Studienreisen u. a. Veranstaltungen.
 
Die deutschen Volkshochschulen sind in 16 Volkshochschullandesverbänden zusammengeschlossen, die den 1953 gegründeten Deutschen Volkshochschulverband e. V. (DVV; Sitz: Bonn) bilden. Der DVV unterstützt die Bildungsarbeit in den Volkshochschulen, vertritt die Volkshochschulen bildungs- und verbandspolitisch auf Bundes- beziehungsweise europäischer Ebene und fördert die erwachsenenpädagogische Arbeit sowie die internationale Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung. Der Verband unterhält eine Bundesgeschäftsstelle und das Institut für Internationale Zusammenarbeit. Er ist Mehrheitsgesellschafter von beziehungsweise Mitglied in drei von ihm gegründeten wissenschaftlichen Instituten: Adolf-Grimme-Institut (AGI GmbH), die Weiterbildungs-Testsysteme GmbH (WBT, Sitz: Frankfurt am Main) und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung e. V. (DIE, Sitz: Frankfurt am Main).
 
In Österreich entstand 1887 als erste Volkshochschule der Wiener Volksbildungsverein. 1950 schlossen sich die in den Bundesländern organisierten Volkshochschulen zum Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV, Sitz: Wien) zusammen. Träger sind Vereine, Gemeinden und Arbeiterkammern (zum Teil auch gemeinsam).
 
In der Schweiz gibt es seit 1919 Volkshochschulen, die 1943 den Verband der Schweizerischen Volkshochschulen (VSV, Sitz: Bern) gründeten, der Mitglied der Schweizerischen Vereinigung für Erwachsenenbildung ist. Träger sind Gemeinden, Kantone, örtliche Stiftungen und private Vereinigungen.
 
 
Das Volkshochschulwesen entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts und ist eng mit den Bemühungen um eine allgemeine Volks- und Arbeiterbildung verbunden. Es geht auf N. F. S. Grundtvig zurück, nach dessen Vorstellungen sich das Heimvolkshochschulwesen in Skandinavien entwickelte. In Deutschland entstanden v. a. Abendvolkshochschulen, die sich aus den Veranstaltungen der Arbeiter- und Handwerkerbildungsvereine sowie aus Kursen der Hochschulen (z. B. in Berlin) besonders nach Anregung der University-Extension in Großbritannien entwickelten. 1919 wurden weit über 100 Volkshochschulen gegründet, nachdem die Förderung des Volksbildungswesens - einschließlich der Volkshochschulen - in Art. 148 der Weimarer Reichsverfassung verankert wurde. Die Volkshochschulen entwickelten sich in der Folgezeit zu umfassenden Weiterbildungszentren. Dem großen Aufschwung des Volkshochschulwesens nach dem Ersten Weltkrieg und ihrem Ausbau in der Weimarer Republik folgte die Zerschlagung durch die Nationalsozialisten. Unmittelbar nach 1945 wurde in Deutschland die Arbeit der Volkshochschule wieder aufgenommen. In Westdeutschland schlossen sich die Volkshochschulen 1946/47 zu Arbeitsgemeinschaften und Landesverbänden, 1953 in der Bundesrepublik Deutschland zum DVV zusammen. In der DDR waren Volkshochschulen staatliche, auf Bezirksebene verwaltete Bildungseinrichtungen zur Qualifizierung von Werktätigen, in denen Lehrgänge zum Erreichen von Schul- (u. a. des Abiturs) beziehungsweise Schulfachabschlüssen sowie allgemein und speziell bildende Kurse durchgeführt wurden. Nach der deutschen Einheit wurden in den neuen Ländern die Volkshochschulen in Landesverbänden zusammengeschlossen, die 1991 dem DVV beitraten. (Heimvolkshochschule)
 
 
P. Steinmetz: Die dt. V.-Bewegung (1929);
 F. Balser: Die Anfänge der Erwachsenenbildung in Dtl. in der ersten Hälfte des 19. Jh. (1959);
 
Stellung u. Aufgabe der V., hg. vom Dt. V.-Verband (1978);
 
25 Jahre Dt.V.-Verband, hg. v. H. Dolff (1978);
 
Die dt. V., hg. v. H. Dolff: (31979);
 
Bildung u. Lernen in der V., Beitrr. v. W. Strzelewicz u. a. (1979);
 
V. in der Großstadt, hg. v. V. Otto u. K. Senzky (1983);
 P. Dominice u. M. Finger: Erwachsenenbildung in der Schweiz (a. d. Frz., Zürich 1991);
 W. Filla: V.-Arbeit in Österreich - Zweite Republik. Eine Spurensuche (Graz 1991);
 G. Dohmen: V., in Hb. Erwachsenenbildung, Weiterbildung, hg. v. R. Tippelt (1994);
 E. Nuissl: Erwachsenenbildung in Dtl. (1995);
 W. Lenz: Erwachsenenbildung in Österreich (1997).

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Vọlks|hoch|schu|le, die: der Weiterbildung dienende Einrichtung bes. der Erwachsenenbildung: Er hat einen Französischkurs an der V. belegt (Chotjewitz, Friede 60).

Universal-Lexikon. 2012.

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